Die Hütte Oberdorf
Im topographisch-statistischen Lexikon von Steiermark beschreibt Josef Andreas Janisch im Jahre 1885 die Hütte Oberdorf wie folgt:
„Oberdorf, Ortschaft der Orts- und Katastralgemeinde Bärnbach, Gerichtsbezirk Voitsberg, nach Voitsberg eingepfarrt, mit einer Fabrikssschule, hat 19 Häuser mit 137 Seelen (73 männlich, 64 weiblich), liegt nördlich von Voitsberg, im Kainachthale, an der Straße von Voitsberg nach Kainach, von der sich hier eine andere nach Piber und Köflach abzweigt.
Hier befindet sich die k.k. landesbefugte Glasfabrik Oberdorf, jetzt der Kainachthaler Kohlenbergbau-Gesellschaft (in Liquidation) gehörig, früher dem Josef Scholz, noch früher dem Franz und dann der Maria Geyer gehörig.
Diese Glasfabrik wurde von der obgenannten Bergbaugesellschaft im Jahre 1876 neu erbaut und im December desselben Jahres in Betrieb gesetzt. Sie ist für 3 Schmelzöfen sammt Nebenöfen eingerichtet; bisher stand jedoch stets ein solcher mit directer Kohlenfeuerung im Betriebe.
Außer dem Fabriksgebäude gehören hiezu noch, und zwar in separaten Gebäuden: eine Schleiferei auf acht Werkstätten und ein Pochwerk, letzteres nach neuester Construction mit Welle, Wasserrad etc. von Eisen und beide Objecte mit gemeinschaftlichem Wasserkraftbetriebe.
In dem Fabriksgebäude befindet sich auch die Zurichtkammer zur Herrichtung der Schmelzgemenge, die Einbindstube und Hafenstube.
Zur Unterbringung der Erzeugnisse und des Rohmaterials ist vis-à-vis dem Fabriksgebäude ein Magazingebäude und in einiger Entfernung davon zur Unterbringung des Personals sechs Wohngebäude hergerichtet.
Der Verbrauch an hiesiger Braunkohle beträgt zum Betrieb des Glasofens sammt Nebenöfen circa 18 – 20.000 Met. Ctr. Und an Deputatkohle für Beamte und Arbeiter circa 1800 - 2000 Met. Ctr. pro Jahr.
Beschäftigt sind bei der Fabrik 27 Männer, 16 Kinder und 5 Weiber.
Die jährliche Erzeugung an Glaswaren repräsentiert einen Werth von 54-60.000 Gulden. Dieselbe wird größtenteils im Inlande und theilweise auch nach Italien abgesetzt.
Das Rohmateriale wird vom Inlande und theils auch aus dem Auslande bezogen und beziffert sich der Werth davon auf circa 30 - 33.000 Gulden jährlich.
Die Entlohnung der Arbeiter beträgt im Jahre circa 13 - 14.000 Gulden. Außer dem Verdienste, der bar bezahlt wird, erhält jeder Arbeiter ein Naturalquartier, den nöthigen Brennstoff und ein Stück Grund zum Anbau von Gemüse unentgeltlich. Ein Provisionsinstitut oder Krankenkasse besteht unter den Fabriksarbeitern nicht. Nachdem die bei der Fabrik in Verwendung stehenden Kinder nicht in der Lage sind, die Pfarrschule regelmäßig frequentieren zu können, so unterhält die Fabrik für dieselben eine eigene Schule, wo der Unterricht von einem von der Fabrik besoldeten Lehrer und Katecheten in den freien Stunden ertheilt wird.“

