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Jahresausstellung 2003: Steirisches Glas

Frühgeschichte des Glases

Wenn man vom vulkanischen, also natürlichem Glas absieht, erweist es sich, dass der Mensch Glas schon über Dreitausendfünfhundert Jahre erzeugt hat.

Allerdings findet man den Ursprung einer Glasherstellung nicht in Mitteleuropa sondern im Nahen Osten, wahrscheinlich in Mesopotamien und später auch in Ägypten.

Erst etwa um die Zeit von Christi Geburt wurde die Glasmacherpfeife erfunden.

 

 

Die Römer

Damit wurde es möglich, schnell und wirtschaftlich grössere Mengen von Glasgefässen anzufertigen. Das Glas konnte nun auch in eine Form geblasen werden und damit war es möglich, grössere Serien von gleichen Gefässen herzustellen. Unter dem Römischen Kaiserreich entstanden Glaswerkstätten an verschiedenen Orten des Reiches, die von billiger Gebrauchsware bis zu kostbaren Prunkstücken eine Vielfalt von Glaswaren erzeugten. Solche Werkstätten bestanden auch in Aquilea und das erste Glas, das von den Römern nach der Steiermark gebracht wurde stammte wahrscheinlich von dort.

 Um den Bedarf an Gebrauchsglas zu decken, wurden im zweiten Jahrhundert, nahe von römischen Truppenlagern, oft kleinere Glaswerkstätten angelegt, zumeist Familienbetriebe, die oft nicht sehr hochwertiges Glas für den lokalen Bedarf herstellten und auch gleich im Lager verkauften. Reste einer solchen Werkstätte und eines Glasofens wurden zum Beispiel bei Ausgrabungen in der Römersiedlung Flavia Solva bei Leibnitz entdeckt.

Die Glasmacher waren wahrscheinlich im Gefolge der römischen Truppen eingewandert und könnten daher von irgend einer Provinz des weiten Römerreiches stammen.

 

Nicht immer bestand das Glas aus lokalen Rohstoffen, oft wurden auch gebrochene Gläser wieder eingeschmolzen und verarbeitet.

 Der Grundriss des in Flavia Solva gefundenen Glasofens und des kleineren, dabei gefundenen zweiten Ofens bilden die Grundlage des von uns ausgestellten Modells.

Da es nicht feststeht, ob die Glasmacher aus einer Provinz des Römischen Reiches stammten, oder sogar von der lokalen Bevölkerung, wissen wir wenig über ihre Lebensgewohnheiten. Wahrscheinlich wohnten sie in einer Behausung nahe zu ihrem Arbeitsplatz, ausserhalb des eigentlichen Militärlagers. Zum Bau des Hauses würden sie Material verwendet haben das leicht und billig zu haben war, Steine und Holz waren wohl leicht zu beschaffen, aber auch einige Ziegel stammten vielleicht vom lokalen Ziegelöfen, der für die Römer arbeitete. Natürlich konnten die Glasmacher einen Kamin zum Heizen und Kochen selbst errichten. Die Alltagskleidung entsprach auch den lokalen Gewohnheiten und war wohl durch das Kilma bedingt, auch wenn die Glasmacher vielleicht aus einem warmen Mittelmeerklima eingewandert waren. Unsere Besucher fragten oft nach der Wohnstätte der Glasmacher, darum haben wir versucht so ein Haus als Modell zu zeigen. Es kann jedoch keinen Anspruch auf absolute wissenschaftlich begründete Richtigkeit erheben. Nach dem Abzug der Römer fiel auch das Glasmachen den lokalen Unruhen und wirtschaftlichen Veränderungen zum Opfer.

 

 

Frühe Waldglashütten in der Steiermark

Vom fünften Jahrhundert bis zur späteren Besiedlung und dem langsamen Wiederaufbau einer ortsgebundenen Landwirtschaft in der Steiermark unter dem Einfluss von Klöstern und adeligen Landbesitzern war auch keine lokale Glasherstellung nachzuweisen. Vereinzelte Hinweise auf solche Waldglashütten können aber schon vom dreizehnten Jahrhundert an nachgewiesen werden. Viele solcher Hütten entstanden jedoch erst im siebzehnten Jahrhundert.

 Riesige unwegsame Wälder bedeckten grosse Flächen der Heimat und wurden nur sehr langsam der aufstrebenden Landwirtschaft erschlossen.

Es war im Interesse des lokalen Adels und der Klöster, nicht nur diesen Wald zu nutzen sondern dabei auch abgeholztes Land zur Besiedlung zu gewinnen.

 Rohstoffe zur Glasherstellung wie Quarzgestein und Kalk waren vereinzelt vorhanden und die notwendige Pottasche konnte durch Verbrennung des Holzes leicht gewonnen werden. So entstanden in den Waldgebieten kleine Ansiedlungen, oft auf hochgelegenen Plätzen, bewohnt von Familien von Glasmachern, die den umliegenden Wald abholzten und zum Heizen von einfachen Glasöfen benützten.

Riesige Mengen Holz wurden dabei nicht so sehr zum Feuern des Ofens, sondern vielmehr zur Gewinnung der Pottasche verbraucht. 2.400 Kg Holz waren zur Herstellung von nur einem Kilogramm Glas erforderlich. Wenn das Holz in der näheren Umgebung der primitiven Hütte aufgebraucht war, oder der benötigte Quarzsand ausging, zogen die Glasmacher wieder weiter, um an einer anderen Stelle, oft höher im Gebirge, wieder eine neue Hütte zu errichten. Das erzeugte Glas war oft nicht von hoher Qualität, meistens von grünlicher Farbe mit eingeschlossenen Unreinheiten. Manchmal versuchten die Hüttenmeister jedoch auch die von Venedig eingeführten teuren Glaswaren nachzumachen.

Durch Wanderhändler, sogenannte “Kraxenträger” wurde die Ware aus den Tälern hinausgetragen und verkauft.

 

Eine grosse Anzahl solcher “Waldglashütten“ waren in der heutigen Steiermark und auch in den benachbarten Gebieten des heutigen Sloveniens in Betrieb.

Vereinzelt werden durch geschickte Sammler noch einige Stücke der Produktion entdeckt oder Überreste an der längst überwachsenen Stätte ihrer Herstellung ausgegraben. Allmählich wurde jedoch der Raubbau am Holz unwirtschaftlich und Gesetze und Verordnungen regelten die Errichtung von neuen Waldglashütten. Maria Theresia erliess am 5. April 1754 eine Waldordnung in der es hiess: “Glas und andere viel Holz verzehrende Betriebe

dürfen bloss in Gegenden angelegt werden wo Holz im Überfluss ist”.

 

 

Glas und Kohle

Als im späteren 18 Jahrhundert der Holzmangel drückend geworden war, machte ein Hofdekret den Glasmachern bekannt, dass auf die Verwendung von Steinkohle ein besonderes Privileg erteilt wurde. Schon um 1794 hatte man in der Agnes Hütte in Liboje und 1805 in Oberndorf begonnen, mineralische Kohle zu verwenden.

Die industrielle Revolution mit der daraus erwachsenden Verbesserung der Verkehrsverhältnisse und die Auswertung von lokalen Kohlevorkommen führte zum langsamen Abwandern der Waldglashütten und deren Umwandlung in kleinere und auch grössere Industriebetriebe. Die betrieblichen und auch die sozialen Verhältnisse änderten das Leben der Glasmacher, manchmal zu deren Vorteil aber auch zum Nachteil.

Schliesslich brachte die Industrie die Eisenbahn nach Köflach, Voitsberg und Eibiswald und die beginnende Verwendung von Maschinen änderte die Art der Handarbeit in der Hütte. Meister und Gehilfen wurden immer mehr durch nur teilweise gelernte Arbeitskräfte ersetzt und Massenproduktion ersetzte vielfach die individuelle schöpferische Arbeit der Glasmacher.

Die grösseren Betriebe wie Oberglas in Bärnbach und auch Betriebe in Köflach und Voitsberg, sowie die neugegründete Glasfabrik in Graz-Gösting hatten eine Periode des Ausbaues und der technischen Erneuerung. Gesetzliche Bestimmungen regelten die Arbeit und der Aufschwung der Gewerkschaftsbewegung hatte Einfluss auf das Leben der Glasmacher.

Bereits 1858 widmet sich das topographisch-statistische Lexikon von Steiermark ausführlich der Mundblashütte Oberdorf (-> zur historischen Textquelle).

 

 

Im 20. Jahrhundert und in der Gegenwart

Am Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts und besonders in der Wirtschaftskrise der Dreissiger Jahre mussten kleinere Betriebe wie zum Beispiel in Wies und Eibiswald den Betrieb einstellen. Heute erinnern noch wenige erhaltene Bauwerke an diese Zeit. Manche sind spärliche Ruinen und andere wurden ihrem Zweck entfremdet.

Die beiden Weltkriege brachten einen erzwungenen Aufschwung der Industrie und Mangel an Arbeitskräften. Der Bedarf für den Wiederaufbau nach 1945 brachte die Erzeugung von Fensterglas auch nach Oberndorf, Haushaltsware wurde wieder in grossen Mengen erzeugt und die handwerkliche Qualität vieler Stücke lässt sie heute zu gesuchten Sammelstücken werden. Die Ware wurde durch Gravur und Handmalerei verschönt und erfahrene Fachleute fanden dabei Beschäftigung. Sammlerstücke aus dieser Periode werden auch in der diesjährigen Ausstellung zu sehen sein.

Auch der Export beeinflusste die Erzeugung von Steirischem Glas.

Heute ist zum Beispiel die Hütte Bärnbach immer noch mit handwerklich hochwertigen Waren beschäftigt, die in kleineren Serien in traditioneller Arbeitsweise hergestellt, die automatische Maschinenarbeit wertvoll ergänzen. Schliesslich wurde in den letzten Jahren das sogenannte “Studioglas “ein neues Arbeitsgebiet, das von der industriellen Fertigung wieder den Weg zur schöpferischen Gestaltung wertvoller Einzelstücke zurück führt.

Unter fachgerechter Anleitung und Hilfe von den Meistern in der Glashütte wird in den Glassymposien aufstrebenden Glaskünstlern Gelegenheit geboten, ihr Talent zu zeigen.

So führt die diesjährige Ausstellung uns wieder durch die geschichtliche Entwicklung des Steirischen Glases, von den Römern über das Waldglas bis zu den Schöpfungen der modernen Glasmeister.

 

 

  • Paul W. Roth; Die Glaserzeugung in der Steiermark von den Anfängen bis 1913, Graz 1976
  • Katalog der Landesausstellung 1988, Glas und Kohle, mit Aufsätzen von Prof. Paul Roth und Prof. Dr. Erich Hudeczek

 

 

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