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Jahresausstellung 2000: Mysterium Glas

Mysterium Glas: Ein Überblick

 

Römisches Glas

Unter Kaiser Augustus gab es in Rom die ersten Glaswerkstätten. Glasgefäße galten jedoch wegen ihrer aufwändigen Herstellung lange Zeit als unerschwingliche Luxusartikel. Erst die Erfindung der Glasmacherpfeife ermöglichte eine schnellere und billigere Herstellung von Glasgefäßen, womit sich Glas als Gebrauchsartikel durchzusetzen begann. Aquilea, in Oberitalien, etablierte sich zum Zentrum der römischen Glasproduktion. Von dort aus wurden Glaserzeugnisse in die Provinz  Noricum, in das Gebiet des heutigen Österreichs, geliefert.

Heute wird angenommen, daß die ersten Glasprodukte im 1. Jahrhundert nach Christus in unser Gebiet kamen. Im 2. Jahrhundert wurde bereits Glas in allen Provinzen des Römischen Reiches erzeugt, so auch in der Provinz Noricum.

 

Flavia Solva

Ausgrabungen in Flavia Solva (bei Leibnitz) brachten Hinweise für eine römerzeitliche Glaserzeugung in der Steiermark. Die Funde bezeugen, daß es mehrere Glaswerkstätten gegeben haben muß. Die heimischen Erzeuger übernahmen das technische Wissen von den italienischen Werkstätten. Die Produktion bestand aus Fläschchen, Tellern, Schalen und Bechern sowie kantigen Gefäßen, die als Urnen Verwendung fanden. In einem kleinen Laden, der an die Werkstatt angeschlossen war, wurden die Glaswaren feilgeboten.

Das Handwerk blühte bis ins 5. Jahrhundert, wobei die Glaswerkstätten von Flavia Solva eine künstlerische Selbständigkeit entwickelten. Sie kopierten nicht mehr die italienischen Erzeugnisse, sondern waren in der Lage, eigene Formen zu gestalten.

Mit dem Zerfall des Römischen Reiches und dem Beginn der Völkerwanderung fand die Glaserzeugung in der Steiermark vorerst ein jähes Ende.

 

Waldglas in der Steiermark

Ab dem 16. Jahrhundert gab es in der Steiermark Waldglashütten. Auf Betreiben der Grundbesitzer, Burgherren oder Klöster kam es zur Gründung kleiner Werkstätten, die meist von Familien geführt wurden. Zunächst waren sie in den Tälern anzutreffen, wegen des großen Holzbedarfs übersiedelten sie in waldreiche Gebiete von rund 1200 Meter Seehöhe. Zu den bevorzugten Gebieten gehörten die Koralpe, die Stubalpe sowie das oststeirische Hügelland. Die durchschnittliche Betriebsdauer einer Hütte lag zwischen 20 und 30 Jahren, dann wurde die Hütte an einem anderen Standort neu errichtet.

Die Produktion bestand vorwiegend aus Hohl- und Tafelglas, wobei Becher, Schalen, Pokale, Flaschen und kleine Fläschchen, auch Tafeln und rundgeschnittenes Fensterglas in mühevoller Arbeit hergestellt wurde. Waldglas hatte eine grünliche oder gelbgrüne Farbe, da die Erzeugung von farblosen Gläsern zu aufwändig war.

Zur Glaserzeugung brauchte man Holz sowohl  für die Feuerung als auch zur Herstellung der Pottasche, weiters Quarzsand und Kalk. Die Pottasche wurde als Flußmittel verwendet und von den Aschern durch Auslaugen aus der Holzasche gewonnen. Quarz und Kalk wurden ebenfalls in der Nähe abgebaut, wobei Quarz in durch Wasserkraft betriebenen Pochwerken zerstampft wurde.

Um Pottasche für 150 Stück 1 Liter Glasflaschen zu gewinnen, benötigte man 6 – 8 m³ Holz, weiters 1 m³ Holz zur Feuerung des Ofens. Für 1 kg Glas war das demnach ein Holzbedarf von 2.400 kg.

In der Hütte fanden Holzfäller, Aschenbrenner, Kraxner und Gesellen Arbeit. Frauen und Kinder waren als Einträger beschäftigt und verpackten das Glas in Stroh.

Die Aufgabe des Glasmeisters war es, die Produktion festzulegen, die Öfen aufzustellen, die Rohstoffe zu besorgen und die Glasschmelze herzustellen.

Viel Kunst und Geschicklichkeit gehörten zur Ausübung des Glasmacherhandwerks. Die Glasmacher, die in entlegenen Wäldern unter kargen Bedingungen lebten und arbeiteten, wurden deshalb als Künstler eingestuft.

Durch den drückenden Holzmangel  im 18. Jahrhundert wanderten die Hütten ins Tal, wo nach der Erschließung des Kohlebergbaus ausreichend Energie vorhanden war.

Im Bezirk Voitsberg gab es in Salla Waldglashütten. Über die Personen, die dort gearbeitet haben,  geben uns die Pfarrmatrikeln Aufschluss: Hans Eibensteiner ist im Jahr 1660 als erster Glasmeister genannt. Es gab den Meister und zwei bis drei Gesellen. Der Begriff  „Schleifer“ in den Matrikeln zeigt zudem an, daß 1671 in der ersten Hütte von Salla geschliffenes Glas erzeugt worden ist.

Der Holzmangel brachte gegen Ende des 18. Jahrhunderts der Waldglashütte Salla ein Ende. Die Hütte in Oberdorf wurde zu ihrem direkten Nachfolger.

In der heutigen Steiermark gab es Waldglashütten:

* auf der Koralpe: Glashütten und Soboth

*auf der Stubalpe: Salla

* im oststeirischen Hügelland: Neuberg, Teichalpe, Feistritztal , Thalberg

 

Die Hütte in Bärnbach – Oberdorf (-> ausführliche historische Darstellung)

Der Holzmangel machte gegen Ende des 18. Jahrhunderts der Waldglashütte Salla ein Ende. Ihr direkter Nachfolger wurde im Jahre 1805 die Hütte in Bärnbach, vormals Oberdorf. Diese Hütte wurde in unmittelbarer Nachbarschaft der Kohlenlager des Gewerken Johann Michael Geyer errichtet und war die erste Hütte in der Steiermark, die mit Kohle feuerte.

Mit der Abwanderung der Hütten zur Kohle war auch eine Produktionssteigerung verbunden, da die Waren im Tal besser zu verkaufen waren. Zu Beginn der Produktion in Oberdorf waren ein Meister und fünf Gesellen beschäftigt. Durch Hinaufsetzten der Kohlenpreise zwang der Gewerke Geyer die damaligen Besitzer zum Verkauf der Hütte an ihn. Für Besitzer einer Kohlengrube wurde es zum starken Anreiz, eine Glashütte zu errichten, denn durch die Glaserzeugung konnten sie die Kohle direkt „versilbern“.

1876 wurde die Oberdorfer Glashütte an ihren heutigen Standort verlegt, da sich unter der Hütte abbauwürdige Kohlenflöze befanden.

Die Glashütte in Bärnbach ist im Lauf von beinahe 200 Jahren unter den verschiedenen Eigentümern stetig gewachsen. Heute ist die Hütte Teil eines erfolgreichen Unternehmens, das sowohl in Handarbeit wie auch auf maschineller Basis hochwertige Glasprodukte herstellt.

 

Glasmacher

Seit jeher waren Glasmacher wanderfreudig. Schon in der Römerzeit wanderten die Glasmacher, wie bis ins 20. Jahrhundert üblich, von Hütte zu Hütte, weshalb sich Arbeitstechniken rasch verbreiteten. Auf Grabsteinen aus der damaligen Zeit findet man oft den Beruf des Glasmachers angeführt, zudem zeigen die Namen, daß die Glasmacher aus allen Provinzen des Reiches stammten.

Zu der Zeit, als Venedig Handelszentrum und Hochburg der europäischen Glaserzeugung war, wurde den Glasmachern mit der Todesstrafe gedroht, sollten sie mit ihren Kenntnissen versuchen, abzuwandern.

Ab dem Mittelalter waren Waldglashütten über ganz Europa verstreut. Sie waren zumeist in entlegenen Waldgebieten angesiedelt. Wurde eine Hütte geschlossen, weil der Wald rundherum abgeholzt war, wanderten die Glasmacher weiter. Sie versuchten, in einer anderen Hütte Arbeit zu finden. Meist gehörten sie Familien an, die seit Generationen dieser Tätigkeit nachgingen. Die Glasmacherkunst wurde von den Vätern an die Söhne weitergegeben.

Als Beispiel sei die Familie Lannecker – Langecker – Lanegger genannt: Wahrscheinlich kommt sie aus Böhmen, wo es einen Ort Langegg bei Breslau gibt. In vielen Hütten Österreichs waren Lanegger beschäftigt. Die Reiselust trieb sie sogar bis nach Pahsebace am Bosporus (Istanbul), wo gegen Ende des 19. Jahrhunderts fast nur steirische Glasmacher anzutreffen waren.

Viele Familien tragen traditionelle Glasmachernamen wie Kieslinger, Aschenbrenner und Pucher.

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