Zwischen Duft und Promille

News 14.12.2010

Der weststeirische Glasspezialist Stölzle-Oberglas produziert 1,6 Milliarden Glasflaschen pro Jahr. Darin abgefüllt wird Medizin, Alkohol und Parfum. Die Exportquote liegt bei 90 Prozent. Für 2011 erwartet man einen Umsatzsprung.

Der Weihnachtsabend war schon zu vergessen, bevor er noch richtig begonnen hatte. Kurz nach acht Uhr bekam Johannes Schick am 24. Dezember vergangenen Jahres einen Anruf. "Die Hütte brennt", wurde dem Geschäftsführer von Stölzle-Oberglas ausgerichtet. Gemeint war der Firmenstandort in Hermanova Hut in Tschechien, wo Stölzle-Oberglas seit 1992 eine Glashütte betreibt. Bereits einen Tag später begann der Neustart. Binnen eines halben Jahres wurde das Werk wiederaufgebaut. Die Krise erwies sich zu diesem Zeitpunkt als "Glück im Unglück", erinnert sich Schick: Die Lieferanten waren hungrig nach Aufträgen, die Lieferzeiten entsprechend kurz. Ende Juli des heurigen Jahres ging die Anlage mit einer Schmelzwanne, aufgerüstet mit den modernsten Staubfiltern, wieder in Betrieb. Heute stehen der tschechische wie alle anderen drei Standorte "voll unter Feuer". Nachdem auch im Krisenjahr die Umsätze nur marginal um drei Prozent auf 140 Millionen Euro eingebrochen sind, rechnet Schick für heuer mit einem sechsprozentigen Wachstum. Im kommenden Jahr will man dann voll vom Investitionsprogramm der vergangenen Jahre profitieren und peilt ein Umsatzwachstum von 20 Prozent an."

"Unsere Glasverpackungen sind ein Kleid für Marken." Schick

Basis dafür sind neben dem wiederaufgebauten Werk in Tschechien, dass auch der Standort in Großbritannien runderneuert wurde, für jenen in Polen ein ähnliches Faceliftig für 2011 geplant ist. Vor allem aber auch, weil die Zentrale im weststeirischen Köflach – 400 der insgesamt 1100 Mitarbeiter sind hier beschäftigt – während der vergangenen beiden Jahre massiv ausgebaut wurde. 1,6 Milliarden Glasflaschen unterschiedlicher Größe (von vier Milliliter bis zu einem halben Liter Fassungsvermögen) werden hier pro Jahr produziert.


Konkurrenz.

Abnehmer sind die Pharmaindustrie sowie Parfum- und Luxusalkoholika-Produzenten, bei denen man die hohen Produktionsstandards der weststeirischen Glasspezialisten schätzt. So liefert Stölzle die Tablettengläser, Infusions- und Tropfenflaschen an die Pharmaindustrie derart steril, dass sie dort nicht noch einmal gereinigt werden müssen, sondern direkt befüllt werden können. "Das schafft die chinesische oder indische Konkurrenz nicht", ist Schick stolz. Die Exportquote des Unternehmens, dessen über 200-jährigen Wurzeln in der Weststeiermark und Niederösterreich liegen, und das 1987 vom deutschen Industriellen Cornelius Grupp übernommen wurde, liegt heute deutlich über 90 Prozent. Hauptmärkte sind Nordamerika, Osteuropa und westeuropäische Staaten wie Spanien, Frankreich oder Italien. Viel Zeit bleibt im globalen Wettbewerb nicht. Die Konkurrenz holt auf. Den Preisdruck aus Fernost will man bei Stölzle mit einem verdichteten Serviceangebot wettmachen. Und durch Know-how. "Das ist der österreichische Mehrwert", sagt Schick.


Verpackungspreis.

Mit neuen Designs und Produktinnovationen schafft man aber immer wieder Aufmerksamkeit. So produzierte man für die schottische Highland-Destillerie "Limited edition"-Flaschen, auch Johnny Walker setzt bei seinem Premium- Whisky auf weststeirische Glasproduktionstechnik und für die in einjähriger Tüftelei entstandene Glasflasche für den "Oval Wodka" gewann man sogar den deutschen Verpackungspreis. "Die Kunst dabei ist, mit der Verpackung der Marke ein unverkennbares Kleid zu geben", sagt Schick und verweist als Beispiel auf die Coca-Cola-Flasche. Oder magennervenreparierende Köstlichkeiten wie Underberg oder Jägermeister. Beide Produkte werden ebenfalls in Flaschen abgefüllt, die bei Stölzle produziert werden. Der Kleinspirituosenmarkt umfasst allein im deutschsprachigen Raum 1,4 Milliarden Flaschen mit Fassungsvolumina zwischen 20 und 40 Milliliter. 400 bis 500 Millionen Stück davon produziert Stölzle und ist damit Marktführer. Während dieser Bereich auch in Krisenzeiten boomte (plus 20 Prozent), brach das Prestige- und Luxussegment (Spirituosen, Parfums) spürbar ein (minus 15 Prozent). Durch die verschiedenen Produktsparten erwies sich das Unternehmen aber als krisenresistent. In beiden Segmenten – Health Care und Luxus – ortet Schick noch Potenzial. Denn auch Parfumproduzenten nützen die Kraft des optischen und haptischen Eindrucks für ihre Markenpositionierung. Jeder der allein 600 Frauendüfte, die jährlich neu auf den Markt kommen, ist in eigenen Flaschendesigns abgefüllt. 80 bis 100 Neuentwicklungen verlassen dafür jährlich die Stölzle-Glashütten. Angst vor der Konkurrenz anderer Werkstoffe als Verpackungsmaterial hat man nicht. Gegenüber Kunststoff hat Glas den Vorteil, einen sehr hohen Recyclingwert zu besitzen. "Glas ist nicht Abfall, sondern ein Rohstoff", betont Schick. Bei Grünglas stammen 70 Prozent aus wiederverwertetem Glas, bei Braunglas noch 50 Prozent. Dazu kommen gerade im Pharmabereich hygienische Anforderungen, die Kunststoff nicht erfüllen kann.



Für weitere Informationen kontaktieren Sie bitte:

  • Cornelia Zelle

  • Stölzle-Oberglas GmbH
  • Fabrikstraße 11
  • A-8580 Köflach

Quelle: Die Presse, Business Lounge 12/2010
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