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Die Geschichte des Glases

Natürliches Vorkommen und Frühgeschichte

In der Natur findet man Glas als „Obsidian“, einem Material, welches durch Vulkane vor Millionen von Jahren von selbst entstanden ist.

Schon in der Frühzeit benutzten die Menschen dieses harte und scharfkantige Material zur Herstellung von Waffen und Messern.

Unter großer Hitze entsteht Glas aus Quarz, alkalischen Flußmitteln wie Pottasche oder Soda sowie Zusätzen von Kalk und Metallsalzen.

Wahrscheinlich zufällig erfolgte die künstliche Herstellung von Glas beim Töpfern oder Metallschmelzen. Glasuren, dünne Glasüberzüge auf keramischen Waren, sind schon seit Jahrtausenden bekannt.

 

Antikes Ägypten

Die ersten brauchbaren Glasgegenstände wurden in Ägypten im 15. Jahrhundert vor Christus im Auftrag des Pharaohs hergestellt.

Kleine Mengen des sehr seltenen und daher teuren Glases wurden auf einen aus Sand und Ton geformten Kern aufgewickelt. Die Temperaturen, erzielt mit Holzfeuer, waren zu niedrig, um das Glas dünnflüssig werden zu lassen. Nach dem langsamen Erkalten wurde der Sandkern mühsam herausgekratzt, oft sind Spuren davon zurückgeblieben.

Zur Dekoration wurden Fäden aus Glas um ein Gefäß herumgewickelt und in die Oberfläche eingepresst.

Auch Glasperlen und Anhänger wurden in derselben Technik hergestellt. Diese waren im gesamten Mittelmeerraum sehr beliebt und wurden in verschiedenen Formen hergestellt. Die Ägypter bewahrten in Glasgefäßen Salben und Parfums, die in den Tempeln bei Kulthandlungen verwendet wurden.

Glas war durch Verunreinigungen dunkelblau, hellblau, seltener braun, gelb oder weiß. Klares, farbloses Glas konnte man noch nicht herstellen.

In der Mitte des 7. Jahrhunderts vor Christus verbesserte sich die Arbeitstechnik sowie die Technik der Glasöfen, wodurch das Glas dünnflüssiger wurde. Man entdeckte auch, in Mesopotamien oder Persien, wie man farbloses, klares Glas erzeugen konnte. Durch Zusatz geringer Mengen an Mangan (Braunstein) und anderen Materialien wurde dies möglich.

Amphoren, Schalen oder Balsamarien erzeugte man nun durch Einpressen der Glasmasse in eine vorgefertigte Form. Manchmal brachte man auch Glaspulver darin zum Schmelzen. Nach dem langsamen Erkalten wurde das Stück durch Schleifen und Polieren in die endgültige Form gebracht.

 

Persien: Erste Schalen

Ab dem 5.Jahrhundert vor Christus konnte man in Persien bereits dünnwandige Schalen herstellen.

Durch Zusammenschmelzen (Fusing) von Glasstücken, verschiedenfarbigen Glasstreifen und ausgezogenen Stäben erzielte man bunte Gefäße sowie mosaikartige Stücke. Daraus wurden Scheiben geschnitten, die als Schmuckstücke und Anhänger getragen wurden.

In Alexandria wurde bereits zu Beginn des Römischen Imperiums Luxusglas erzeugt.

 

Um Christi Geburt

Etwa zur Zeit um Christi Geburt wurde in Syrien oder dem heutigen Israel die Glasmacherpfeife erfunden, die der Glasherstellung einen gewaltigen Auftrieb gab.

Mit Hilfe dieses geraden Rohres wurde eine kleine Menge Glas aus dem „Häfen“ geschöpft, zu einer kleinen Kugel geformt und aufgeblasen.

Man lernte schnell, diese frei geblasenen Gegenstände zu bearbeiten und zu den noch heute gebräuchlichen Formen zu gestalten.

Bald begann man mit der Glasmacherpfeife in vorbereitete Formen einzublasen und so ganze Serien von gleicher Gestalt zu erzeugen. Die Technik der Formen wurde von der Metallverarbeitung und der Keramikherstellung übernommen.

Zunächst waren die Formen einfach, Nachbildungen von Früchten etwa; bald aber wurden aufwendige, reich geschmückte Glasgegenstände in der Form geblasen.

 

Ein Glasmacher dieser Zeit verewigte seinen Namen „ENNION“ als eine Art Markenzeichen auf seiner Ware. Heute sind die wenigen erhalten gebliebenen „ENNION“ Gefäße wertvolle Sammlerstücke.

 

Die Römer

Im Römischen Reich entstanden sowohl in der Stadt Rom, wo eine ganze Straße den Glasmachern vorbehalten war, als auch in Aquilea Glaswerkstätten. Bald wurde Glas in allen Provinzen des Römischen Reiches hergestellt.

Schon damals wanderten die Glasmacher, wie bis ins unser Jahrhundert üblich, von Hütte zu Hütte, weshalb sich Arbeitstechniken rasch verbreiteten.

Auf Grabsteinen aus der Römerzeit findet man oft den Beruf des Glasmachers angeführt. Die Namen zeigen, daß die Glasmacher aus allen Provinzen des Reiches stammten.

Gebrauchsglas wurde preiswert hergestellt: Es gab kleine Balsamarien für Parfums und  Flaschen für die sehr beliebte scharfe Fischsauce, die in Flaschen mit eingepresster Fabriksmarke im ganzen Reich erhältlich war.

Wein kam manchmal in reich verzierten Glasgefäßen auf den Tisch.

Eine beliebte Form waren zarten Rippenschalen. Durch das Aufblasen in der Form waren sie besonders dünnwandig.

 

In Gebieten wo Feuerbestattung üblich war, wurde die Asche der Verstorbenen in gläsernen Urnen beigesetzt.

Fensterglas, in flache Formen gegossen, findet sich nicht nur in den Badestuben von Pompeij, sondern wurde im ganzen Römischen Reich verwendet.

Luxusglas wurde in bester Qualität erzeugt. Fast alle der heute noch gebrauchten Techniken zur Verschönerung der Oberfläche wurden schon damals angewandt.

Glasschleifer arbeiteten mit dem Schleifrädchen und der Scheibe. Sie stellten aufwändige Kunstwerke wie etwa die Kameengläser und die Diatreta her, heute der Stolz mancher Museen, da nur wenige erhalten geblieben sind.

Bei den „Diatretgläsern“ wurde aus einem dickwandigen Rohling in mühevoller Arbeit ein freistehendes Netzwerk aus feinstem Glas herausgeschliffen.

Eine Technik, die schon im dritten Jahrhundert vor Christus entstanden war, ist die Herstellung von Zwischengoldgläsern. Goldschnitte, aus dünner Goldfolie hergestellt, wurden zwischen genau passende Gläser eingeschlossen.

Als im sechsten Jahrhundert der Niedergang des Römischen Reiches einsetzte, wurde auch die Glasindustrie ein Opfer der wirtschaftlichen und politischen Unruhen.

 

Tradition des Glasmachens nach Zerfall des Römischen Reichs: Venedig

Im Osten wurde die Glasproduktion im Byzantinischen Reich fortgesetzt und im Norden, im aufstrebenden Fränkischen Reich der Merowinger, kam die Tradition der Waldglashütten auf, die sich im Mittelalter fortsetzte.

Im Osten blieben die Kenntnisse um die Glaserzeugung erhalten und wurden sogar weiterentwickelt. Kunstvolle Lampen wurden für Moscheen angefertigt und mit Emailarbeiten reich verziert. Im Gebiet Sassaniens wurde die Technik des Glasschleifens wiedererweckt und facettengeschliffene Gläser wurden erzeugt.

Die Kreuzfahrer brachten aufwendig gearbeitete Gläser mit nach Hause. Das aufstrebende Handelszentrum Venedig importierte bald nicht nur Gläser aus Byzanz, sondern auch das Wissen um ihre Herstellung. Dies war sehr zum Nutzen der Glaswerkstätten, die sich seit der Römerzeit auf den nahegelegenen Inseln in bescheidener Form erhalten hatten.

 

Glas im Mittelalter: Waldglashütten

Schönes Glas war immer ein Luxus und im Mittelalter nur einer kleinen Schicht der Bevölkerung zugänglich. Diesen Bedarf konnten die Waldglashütten leicht decken.

In entlegenen Waldgebieten entstanden auf Betreiben der Grundbesitzer, Burgherren oder Klöster kleine Werkstätten, die meistens von Familien geführt wurden.

Holz war der wichtigste Rohstoff, Quarzvorkommen in Form von Sand oder Kieselsteinen war zudem notwendig.

Holz wurde nicht nur zum Feuern der Glasöfen verwendet; große Mengen Holz wurde für Herstellung von Pottasche benötigt. Holz wurde zu Asche verbrannt, um daraus das nötige Alkali in Form von Pottasche zu gewinnen.

Waldglas hatte meist eine grünliche oder gelbgrüne Farbe, da die Erzeugung von farblosen Glasern zu aufwändig war.

Wanderhändler, sogenannte „Kraxner“ verkauften die Glaswaren in den Städten und Märkten.

Wenn das Holz in der Umgebung der Hütte aufgebraucht war, übersiedelte die Hütte an einen neuen Standort.

Gegen Ende des 14. Jahrhunderts haben sich in der Steiermark vereinzelt Waldglashütten angesiedelt. Mundgeblasenes Fensterglas sowie Gebrauchsglas wurde hergestellt. Einzelne Formen sind typisch für eine Gegend und wurden nirgendwo anders so erzeugt.

Obwohl die Erzeugnisse nicht mit dem Luxusglas aus Venedig oder Böhmen konkurrieren konnten, fanden die Produkte nicht nur bei der lokalen Bevölkerung Absatz.

 

Venezianische Hochblüte

Der Luxus der beginnenden Renaissance bewirkte eine Hochblüte der venezianischen Glasmacherkunst.

„Cristallo“ war das neugeschaffene, völlig klare und leicht zu verarbeitende Glas, welches zuerst nur in Venedig erzeugt wurde.

Für die Herstellung von „Fadenglas“ wurden weiße Glasstäbchen in symmetrischer Anordnung in klares Glas eingeschmolzen. Dann wurden daraus größere Gefäße wie Vasen, Pokale und die sogenannten „Tazzas“ geblasen.

Die fertigen Gegenstände zeigen in feinster geometrisch genauer Form das Muster. Wegen der milchweißen Farbe dieser Verzierungen wurden sie auch als „Lattimo“ von latte, Milch) bezeichnet.

Direkt am Feuerloch des Ofens formten die Glasmeister Venedigs kunstvoll gedrehte und gezwickte Drachengestalten, die sich entweder um dem Fuß der Gläser schlangen oder deren Fuß bildeten. Unter dem Namen „Drachenstammgläser“ sind sie heute begehrte Sammlerobjekte.

In Venedig unterlagen die Rezepte für die Glasschmelze sowie die Techniken strengster Geheimhaltung. Den venezianischen Glasmachern wurde mit der Todesstrafe gedroht, um zu verhindern, daß sie mit den Kenntnissen abwanderten.

Gläser in der „Facon de Venise“ wurden schon bald in Frankreich, den Niederlanden, England sowie Schweden hergestellt.

In Böhmen hatte sich aus der Produktion der Waldglashütten eine blühende Industrie entwickelt, die in der Technik ihre eigenen Wege ging und nie venezianische Gläser imitierte.

 

Böhmisches Glas

In Deutschland und in geringerem Maße auch in Österreich begannen Glaskünstler Gläser, die in Böhmen hergestellt worden waren, mittels Diamantgravur zu verzieren. Zudem kam die Technik der Emailmalerei zum Einsatz.

Emaillierte Humpen waren als Hochzeitsgaben und als Geschenke an Gilden und Zünften (besonders bei deren trinkfreudigen Mitgliedern) sehr willkommen.

In der Zeit des 16. und 17. Jahrhunderts entstanden diverse Scherzgläser wie auch die mehrhälsigen Kuttrolfs.

 

Anfänge des Bleiglases

1674 erfand der Engländer George Ravenscroft eine neue Mischung für Glas, das sogenannte Bleiglas. Durch Zusatz beträchtlicher Mengen von Bleioxyd erhielt er ein leicht zu verarbeitendes,  besonders brilliantes Glas, das außerdem noch weniger empfindlich war als das venezianische Cristallo. Cristalloglas neigt zum Auslaugen des Alkalis unter dem Einfluß von Feuchtigkeit, ein Prozeß der die Oberfläche beschädigt.

Gegen Ende des 17. Jahrhunderts kam die Schwarzlotmalerei auf. Dabei wurden Motive, wie etwa Portraits, mit schwarzen Metalloxyden aufgemalt und eingebrannt.

 

Barock und Biedermeier

War der Barock eine Zeit von vielleicht  übertriebener Dekoration der Gläser, brachte das Biedermeier mit dem aufstrebenden Bürgertum einen einfachen aber soliden Geschmack, der sich auch in der Gestaltung von Gläsern widerspiegelt.

Vor allem die böhmischen Glashütten und die Werkstätten in Tirol nahmen sich dieses neuen Geschmacks an. Freundschaftsbecher und das sogenannte „Ranftglas“ waren beliebt.

Amerika versuchte vom 16. Jahrhundert an eine eigene bescheidene Glasindustrie aufzubauen. Glashütten entstanden in Pennsylvanien, in New Jersey und im Staate New York, meist von eingewanderten europäischen Glasfacharbeitern betrieben. Die Erzeugnisse konnten jedoch mit den eingeführten Waren aus England und Böhmen nicht konkurrieren. Es war auch die Beschaffung von Rohstoffen schwierig, zudem blieben die Glasarbeiter nicht lange.

 

Die Industrielle Revolution revolutioniert die Glasproduktion

Erst die industrielle Revolution in der Mitte des 19. Jahrhunderts brachte eine entscheidende Wende. Glasmaschinen, in Amerika entwickelt, wurden in Europa importiert oder nachgebaut und ermöglichten eine effiziente Erzeugung von günstigem Gebrauchs- und Fensterglas.

Glashütten wie zum Beispiel auch die Hütte „Oberglas“ begannen mit der Herstellung von halbautomatisch erzeugtem Glas. Dies führte in der Folge zur Aufstellung von modernen Automaten.

 

Glaskunst heute

In jüngster Zeit besteht wachsendes Interesse für künstlerisch hochwertige, von erfahrenen Meistern nach traditionellen Methoden geschaffene, Glasobjekte.

Das sogenannte „Studioglas“ ist das Produkt kleiner Werkstätten. Industriebetriebe, darunter auch die Stölzle-Oberglas, haben ihre besten Fachleute damit betraut, Einzelstücke, wie auch kleine Serien anzufertigen.

Jedes Jahr kommen in der Manufaktur der Stölze-Oberglas international bekannte Glaskünstler zu Glas-Workshops zusammen. Erfahrungen werden ausgetauscht und mit Hilfe der qualifizierten Glasmacher werden neue Arbeitsmethoden ausprobiert, die in den Werkstätten der Künstler nicht machbar sind. Beide Seiten profitieren von diesem Erfahrungsaustausch. Die Objekte werden im Anschluß im STÖLZLE GLAS-CENTER in einer Ausstellung präsentiert.

Auf besondere Weise kann das Vorstellungsvermögen der Glaskünstler mit den handwerklichen Fähigkeiten der Bärnbacher Glasmacher vereint werden, wodurch einzigartige Glaskunstwerke entstehen.

 

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