Historischer Überblick
Die Hütte in Oberdorf/Bärnbach: Geschichtlicher Überblick
Die erste steirische Glashütte mit Kohlenfeuerung
Der Holzmangel brachte gegen Ende des 18. Jahrhunderts der Waldglashütte Salla ein Ende. Ihr direkter Nachfolger wurde die Hütte in Bärnbach, die erste Hütte in der Steiermark, die mit Kohle feuerte. Die Lage neben den Kohlengruben und unweit der Straße brachten Vorteile. Da die Waren besser zu verkaufen waren, brachte dies auch eine Produktionssteigerung mit sich.
Das Jahr 1805 gilt als Gründungsjahr der Hütte in Oberdorf.
1805: Michael Spreng, Karl Smola, Johann Michael Geyer
Der Gastwirt Michael Spreng aus Graz erhielt am 15. Juni 1805 die behördliche Genehmigung zur Gründung einer Glasfabrik. Spreng zog sich allerdings zurück und Karl Smola, ein Bieraufschlags-Pächter aus Graz, begann mit der Errichtung einer Glashütte. Das Baumaterial sowie die Kohle zur Feuerung des Ofens lieferte ihm der Gewerke Johann Michael Geyer, der seinerseits interessiert war, die Kohle durch die Glaserzeugung auf schnellstem Wege zu versilbern. Im Herbst 1806 wurde mit der Glaserzeugung begonnen. Karl Smola mußte 1810 seine Glashütte an den Kohlelieferanten verkaufen.
Aus diesen Jahren sind durch Matrikeneintragungen der Pfarre Piber die Glasmacher namentlich bekannt: Es sind dies Ignaz Leitner aus Türnitz, Ignaz Kieslinger, Anton Grad und Jakob Ernst.
Johann Michael Geyer war zur damaligen Zeit ein erfolgreicher Unternehmer.
Er machte seinen ältesten Sohn Franz zum Mitbesitzer, der als Befähigungsnachweis ein Zeugnis „zur Betreibung des technischen Werkes“ vorlegen konnte.
1811 erhielt Geyer die Landesfabriksbefugnis. Die damalige Hütte bestand aus einem Fabriksgebäude, einem Arbeiterwohnhaus für fünf Gesellen, einem Pochwerk und einem Herrenhaus.
Franz Geyer war ein fähiger Hüttenmann. Er führte zahlreiche Versuche durch, um das Flußmittel Pottasche durch Glaubersalz zu ersetzten. Es gelang ihm, sowohl grünliches als auch farbiges Glas mittels Glaubersalz zu erzeugen. Nicht gelungen war es ihm hingegen, Spiegelglas ohne Pottasche herzustellen. Seine technische Versuche hat er in einem „Probierbuch“ festgehalten, das uns heute zeigt, in welchem Verhältnis das Gemenge der verschiedenen Gläser zubereitet wurde.
Leider verstarb Franz Geyer, 40jährig, im Jahr 1826. Sein Bruder Alois Geyer übernahm die Glashütte, auch er starb früh, nämlich im Jahr 1836.
Sein Universalerbe war der noch ungeborene Sohn Alois Franz, den Betrieb leitete von nun an seine Witwe Maria Geyer, geborene Reichmann.
1848: Erhebung zur k.u.k. landesbefugten Glasfabrik unter Maria Geyer
Maria Geyer ließ eine „verbesserte Erzeugung des Kreideglases ohne grünen Stich“ bereits 1841 patentieren. Durch Zusatz von Kalk zur Glasschmelze war es möglich, transparentes Glas zu produzieren. Im Jahr 1848 wurde ihr das Privileg zur Führung des kaiserlichen Wappens uns der Betriebsbezeichnung „k. u. k. landesbefugte Glasfabrik Oberdorf“ verliehen.
Alois Franz Geyer starb 1857 21jährig, noch ehe er die Werksleitung antreten konnte. Somit blieb die Betriebsführung bei Maria Geyer. 1861 heiratete sie den nach Köflach zugewanderten GKB-Beamten Josef Scholz. Dieser war Mitglied des Landesausschusses und zeichnete sich durch sein soziales Werk besonders aus.
1872: Jakob Syz
1872 verkaufte das Ehepaar Josef und Maria Scholz die Glashütte mit allen Realitäten und Bergwerken an Jakob Syz.
Jakob Syz wiederum veräußerte den Besitz schon nach zwei Wochen an die neugegründete Kainachthaler Kohlenbergbau-Gesellschaft.
Da sich unter der Hüttenanlage abbauwürdige Kohlenflöze befanden, verlegte die Gesellschaft 1876 die Hütte um etwa 300 Meter westwärts, an den heutigen Standort.
1879: Fam. Scholz
Die Gesellschaft ging 1879 in Konkurs, worauf das Ehepaar Scholz die Glasfabrik wieder in ihren Besitz brachte.
1883 verkaufen Josef und Maria Scholz die Hütte neuerlich, und zwar an die
Graz-Köflacher-Eisenbahn- und Bergbaugesellschaft.
Die GKB wiederum behielt die Fabrik nur drei Jahre und veräußerte sie an Alois Scholz aus Mährisch-Schönberg, der mit den Vorbesitzern Scholz nicht verwandt war.
Sein Sohn Alois Scholz jun. erbte die Fabrik 1909. Nach dem Ersten Weltkrieg gab es große Umsatzeinbrüche, da viele Absatzgebiete verloren gingen. Zur Unterstützung traten 1926 die Inhaber der „Vereinigten Glasfabriken AG, vormals Wilhelm Abel“ als stille Teilhaber ein.
1938: DI Abel, Ing. Abel, Ing. Körbitz
Nach dem Tod von Alois Scholz im Jahre 1938 erwarben die stillen Teilhaber, Dipl.Ing. Wilhelm Abel, Ing. Richard Abel und Ing. Adolf Körbitz, die Hütte.
Sie vereinten sie mit der Hütte Voitsberg zur Firma „Glasfabriken Oberdorf–Voitsberg, Adolf Körbitz“.
Nachkriegszeit und Gegenwart
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden neben umfangreichen Ausbauten ständig technische Verbesserungen durchgeführt.
Ab 1964 lautete der Firmenname „Oberglas, Glashütten-Aktiengesellschaft“, mit den Glashütten in Oberdorf und in Voitsberg. Die Aktien lagen zu 38 % bei den Familien Abel und Körbitz und zu 42 % bei der Creditanstalt-Bankverein.
1978 kam es schließlich zur Fusion des Unternehmens „Stölzle-Oberglas AG“.
Seit der Übernahme des Unternehmens durch den Industriellen Dr. Cornelius Grupp im Jahr 1987 wird großer Wert auf innovative Technologie und zukunftsweisendes Design gelegt. Wirtschaftsglas wird mit modernster Technologie erzeugt, daneben wird aber auch die überlieferte Tradition des Glasmachens in der Mundblashütte aufrecht erhalten. Es gibt einerseits immer Formen, die maschinell nicht zu erzeugen sind und andererseits ist die Nachfrage nach hochwertigem handgefertigtem Glas gestiegen. Auch die Glasmacherkunst wird nach wie vor in der Bärnbacher Hütte gefördert: So finden hier Glassymposien und Workshops statt, die sich als Treffpunkt bekannter Glaskünstler etabliert haben.
